Liebe Eltern!
Der Tag in der Kita ist für Eure Kinder ein großes Abenteuer: Sie sind mit ihren Freunden zusammen, erleben das Zusammensein in einer festen Gruppe, durchleben Konflikte und Streit und wachsen daran. Gemeinsame Mahlzeiten, kognitives Lernen in Form von Lernangeboten oder dem Freispiel und das Spielen in der Natur sind ebenso wichtige Bestandteile des Tages.
Wir als Kita, als Bildungseinrichtung, sehen uns als Euer familiärer Bildungspartner: Gemeinsam geben wir unser Bestes, damit sich Euer Kind nicht nur wohlfühlt, sondern auch in seinem Tempo bestmöglich entwickeln kann.
Wir haben uns überlegt, wie wir Euch auf dem Weg durch den Alltag Eurer Kinder noch mehr mitnehmen können. Wir wissen, dass es viele Kinder gibt, die nach der Kita einfach zu müde sind zum Erzählen oder auch keine Lust haben, vielleicht auch all die vielen Eindrücke nicht in Worte fassen können.
Viele von Euch sind während der Eingewöhnung für eine geraume Zeit mit in der Kita. Das ist so wertvoll für Euch, da ihr in dieser Zeit einen kleinen Einblick in das Abenteuer Kita bekommt. Wir wollen noch einen Schritt weiter gehen und schauen hinter das Augenscheinliche: wir wollen Euch nicht nur zeigen, wie wir was machen, sondern auch: Wieso eigentlich? Wozu ist denn nun der Morgenkreis gut? Und was ist eine Friedensrunde? Wie ist das jetzt noch mal mit dem Anziehen?
Fühlt Euch eingeladen auf eine Reise durch den Tag Eurer Kinder…
Der Tagesablauf generell
Eine grobe Tagesstruktur gibt den Kindern Sicherheit und Orientierung im Alltag. Vor allem für neue, jüngere Kinder kann sie sehr wichtig sein, da die Kita durchaus groß und unübersichtlich wirken kann. Unser Tagesablauf wurde grob gegliedert. Dabei muss man aber klar sagen, dass kein Tag wie der Andere ist und die Fachkräfte feinfühlig beobachten, um die Bedingungen bestmöglich an die Bedürfnisse der Kinder anpassen zu können.
Einzelne Punkte werden hier täglich individuell angepasst und gestaltet. Auch für die Kinder gilt schließlich: Kein Tag ist wie der Andere.
Ebenso klar muss man sagen, dass jede Gruppe ihre eigenen gruppenspezifischen Rituale hat, die sich zum Einen stetig ändern, zum Anderen aber auch auf die aktuelle Gruppensituation zugeschnitten sind.
Das Ankommen (7.00 Uhr – 9.00 Uhr)
Wir alle wissen: Das Ankommen am Morgen ist eine sensible Situation, die von beiden Seiten feinfühlig begleitet werden sollte. Für die Kinder ist meist der wichtigste Punkt: „Sind „meine“ Erzieher und Erzieherinnen da?“
Sie geben Sicherheit und Vertrauen, Mama und Papa loslassen zu können.
In unserer Kita ist es so, dass in der ersten Stunde des Tages (bis etwa um 8 Uhr) eine Gruppe (welche das ist, variiert) geöffnet ist. Zwei bis drei Fachkräfte nehmen die Kinder in Empfang. Nicht immer kann hier gewährleistet werden, dass aus jeder Gruppe jemand anwesend ist, dennoch sind es immer die gleichen Gesichter, die Euch morgens begrüßen. Erfahrungsgemäß gewöhnen sich die Kinder hier schnell an diese Situation und auch mit den anderen Gruppenerziehern kann ein sanfter und liebevoller Übergang gestaltet werden.
Gegen 8 Uhr teilt sich die Frühdienstgruppe und die Kinder und Fachkräfte ordnen sich ihren Stammgruppen zu.
Wie die Kinder die Bringzeit gestalten, dürfen sie frei entscheiden: Möchte ich gleich frühstücken? Lieber erst malen?
Wir versuchen für alle eine ruhige und angenehme Atmosphäre zum Ankommen zu gestalten, daher sind die Funktionsräume, in denen eher getobt wird (z.B. der Turnraum) in dieser Zeit noch geschlossen.
Viele Vorschulkinder entscheiden sich in den ruhigen Morgenstunden für ihre Vorschulhefte, da es in dieser Zeit noch ruhig ist und man sich gut konzentrieren kann. Grundsätzlich steht den Kindern ihr Raum zur freien Verfügung offen!
Bereits in der Eingewöhnung, oft auch schon im Erstgespräch, ergeben sich Wünsche für den Übergang. Hier braucht jedes Kind seine eigene Zeit. Gemeinsame Rituale entstehen. Wir begleiten auf dem Schoß, am „Winkefenster“ oder beim „Rausschmeißen“ der Mamas und Papas. Natürlich gibt es auch Tage, an denen eine ganz individuelle Übergabe stattfinden muss. Dann braucht es einen Arm, nochmal kuscheln oder ganz allein mit der Bezugsperson für fünf Minuten in der Garderobe sitzen und kurz beobachten. Auch das ist in Ordnung. Wir kennen Eure Kinder recht schnell sehr gut und können oft schon auf den ersten Blick einschätzen, wie die Stimmung ist. Wenn wir merken, Eure Kinder schaffen es heute allein, Euch rauszuschubsen, dürfen sie das selbstverständlich genauso tun. Die Selbstwirksamkeit ist uns hier sehr wichtig. Aber wir sehen auch, wenn sie Hilfe brauchen und bemühen uns, sie liebevoll, aber feinfühlig in ihrer Stimmung abzuholen und damit bestmöglich in den Tag zu begleiten.
Der Morgenkreis (ab 9.00 Uhr)
Unser Morgenkreis ist unser gemeinsamer Start in den Tag. Er beginnt, indem ein vorher ausgewähltes Kind (hier gehen wir nach der Reihenfolge der Gruppenliste, damit jeder drankommt, der möchte!) den Gong schlagen darf. Der Gong ist unser Zeichen für: Wir versammeln uns alle schnellstmöglich, weil irgendetwas Wichtiges passiert!
Nachdem sich jedes Kind ein passendes Sitzkissen oder ein Stuhl geholt und einen Platz gefunden hat, starten wir mit einer gemeinsamen Begrüßung und einigen lieben Worten in den Tag. Gemeinsam schauen wir, wer da ist und wer fehlt. Auf diese Art stärken wir das Gruppengefühl und zeigen: Jeder ist wichtig!
Das Kind, das den Gong geschlagen hat, übernimmt eine sehr wichtige Rolle im Morgenkreis: Es hilft uns Erwachsenen bei dessen Gestaltung und entscheidet letzten Endes, wie der Morgenkreis abläuft.
Ein spannender Punkt für die Kinder ist der Jahreszeitenkalender. Wir überlegen welcher Wochentag, welches Datum und welche Jahreszeit aktuell ist und die entsprechenden Holzkarten dürfen aufgehängt werden. Hier werden unzählige schulische Kernkompetenzen gleichzeitig geübt: Wochentage, Zahlen, Erste Buchstaben („Der Montag beginnt mit M wie Maus.“ „Fällt dir noch ein Wort mit M ein?“), das Sprechen vor Anderen, selbstständiges Überlegen, die Konzentration behalten, wenn andere Flüstern und Murmeln. Das sind für Kinder große Herausforderungen. Je nach Alter und Wissen des Kindes, unterstützen wir Erwachsenen oder auch andere Kinder gern.
Anschließend darf das Kind entscheiden, wie es weiter geht: Möchte es eine Erzählrunde starten oder lieber Singen? Ein Fingerspiel? Gibt es aktuelle Themen, die besprochen werden müssen? Hier entstehen oft tolle Gesprächsrunden und für die Kinder ist es enorm wichtig, dass ihre Stimme ein Gewicht hat. Dass sie gehört und gesehen werden, dass ihre Meinung wichtig ist!
Ein wichtiger Bestandteil des Morgenkreises ist das Einteilen in die gewünschten Spielorte. Das Kind, das den Gong geschlagen hat, beginnt. Grundsätzlich gilt auch hier: Die Kinder dürfen sich frei einteilen und entscheiden, worauf sie Lust haben und mit wem sie spielen möchten. Natürlich muss man schauen, dass nicht plötzlich acht Kinder im Turnraum sind, aber hier finden sich meist gute und schnelle Kompromisse.
Das Einteilen hilft vor Allem den jüngeren Kindern, sich sicherer zu fühlen. Sie haben nach dem Morgenkreis in der Aufbruchstimmung ein Ziel. Gleichzeitig fördert es Spielsituationen und Spielpartner, die sonst unter Umständen nicht zusammengekommen wären.
Selbstverständlich wird nicht von den Kindern erwartet, dass sie sich den gesamten Vormittag an dem gewählten Ort aufhalten müssen. Wenn die Kreativität fehlt, braucht es manchmal einen neuen Input in Form eines neuen Ortes. Auch hier gilt: Wir schauen sehr aufs Alter. Für die Dreijährigen ist es ein riesiger Erfolg, wenn sie eine Weile in der Bauecke waren und ausdauernd gebaut haben. Danach braucht es vielleicht etwas Bewegung und sie können noch mal für eine Weile im geräumigen Flur spielen. Sechsjährige, die hingegen nach 20 Minuten ihren Spielort ändern wollen, ermutigen wir durchaus, noch eine Weile dranzubleiben. Auch hinsichtlich der Schule und den Anforderungen dort. Hier gilt natürlich kein Zwang. Wenn die Kinder absolut nicht ins Spiel finden, dürfen sie selbstverständlich den Spielort wechseln. Erfahrungsgemäß macht das Ermutigen in Form eines kurzen Inputs von uns Erwachsenen aber oft schon viel aus. Langfristig stärkt die Kinder das „Dranbleiben“.
Grundsätzlich richtet sich der Morgenkreis nach der aktuellen Tagesstimmung der Kinder. An wilderen Tagen, an denen wir spüren, dass es den Kindern schwerfällt, sitzen zu bleiben, beenden wir den Morgenkreis zeitiger oder bieten „Entladungsmöglichkeit“ in Form eines Kreisspiels oder eines aktiven Liedes. Da gibt es viele, die den Kindern große Freude machen und gleichzeitig Bewegung ermöglichen.
Das Freispiel (ca. 9.30 Uhr – 11.30 Uhr)
Wir sehen das Freispiel als Kern des Kitatages und den wichtigsten Punkt für die Kinder. In dieser Zeit sehen wir Freundschaften, die entwickelt und gepflegt werden, Konflikte, die ausgetragen und gelöst werden, wunderbare Spielsituationen. Die Kinder erleben soziales Leben auf höchstem Bildungsniveau.
Früher, vor vielen Jahrzehnten, wusste man noch nicht um die Bedeutung des Freispieles. Es wurde oft abgetan mit den Worten „Die spielen ja nur!“. Was man nicht bedacht hatte: Das Spiel ist interaktives Lernen auf unterschiedlichsten Ebenen- die Arbeit der Kinder. Sie lernen, im Leben anzukommen, sich zu sozialisieren. Regeln, Grenzen – eigene und fremde – Bedürfnisse werden gesehen, erkannt, respektiert.
Unabhängig davon: Kinder entwickeln ihre Fähigkeiten täglich weiter – und das mit kleinsten Schritten, deren Bedeutung wir im Alltag oft nicht entsprechend würdigen. Es bedeutet so viel, die Schere plötzlich mit einer Hand halten zu können. Nächste Woche klappt es vielleicht und die Linie wird getroffen.
Für ein ungeschultes Auge laufen die Kinder vielleicht den ganzen Tag durch den Raum. Was sie eigentlich wahrnehmen und lernen ist bedeutsam und jeder einzelne Schritt so wichtig für ihre individuelle Entwicklung. Jedes Beobachten, jedes Ausprobieren ist ein Weiterentwickeln. Jedes Mutigsein ist ein ein Starkwerden.
Wichtig ist uns im Freispiel noch die Selbstständigkeit zu fördern und die Selbstwirksamkeit zu unterstützen. Kinder dürfen in Kleingruppen ohne gesonderte Aufsichtsperson für eine gewisse Zeit allein sein. Sie dürfen allein im Turnraum sein oder im Außenbereich auf der Terrasse spielen. Natürlich sind wir weiterhin jederzeit ansprechbar für sie und schauen in regelmäßigen Abständen nach Ihnen.
Des Weiteren finden in der Freispielzeit gezielte, altersentsprechende Entwicklungsangebote statt. Wir Fachkräfte bieten z.B. regelmäßig Altersgruppen an. Ein Zusammenkommen aller Kinder gruppenübergreifend aus einem bestimmten Jahrgang, bei dem nochmal ganz gezielt Angebote gemacht werden.
Ebenfalls in dieser Zeit können wir Elternaktionen anbieten oder eben die ganz besonderen Angebote, die immer wieder übers Jahr verteilt stattfinden: Das Vorschulprogramm „Stark auch ohne Muckies“, der Besuch der Patenzahnärztin, gemeinsames, gruppenübergreifendes Singen im Turnraum zu bestimmten Anlässen, Nikolausbesuch, Pflasterpass, der Besuch des Rettungswagens – um nur einige Veranstaltungen zu nennen, die im Laufe des Jahres passieren.
Kurz gesagt: Das Freispiel bildet Kinder auf allen Ebenen über all ihre Entwicklungsbereiche hindurch stetig und auf spielerische Weise weiter.
Frühstück (nach Bedarf, zwischendurch)
Das Thema „Frühstück“ wird in unserer Kita sehr unterschiedlich gelebt. In einer Gruppe dürfen die Kinder ganz frei entscheiden, wann, mit wem und wie lang sie frühstücken möchten. Natürlich wird darauf geachtet, dass der Tisch eingedeckt wird und die Kinder sorgsam mit sich, ihren Tischnachbarn und dem Inhalt der Brotdosen umgehen. Es wird darauf vertraut, dass die Kinder eigeninitiativ spüren, wann sie hungrig sind und somit die Signale ihres Körpers lernen einzuordnen.
In einer anderen Gruppe wird an den meisten Tagen gemeinsam gefrühstückt, direkt nach dem Morgenkreis. An diesem Beispiel sehen wir, dass Gruppenstrukturen und die Bedürfnisse der Kinder in diesen Gruppen manchmal grundlegend unterschiedlich sein können – und dennoch beide Lösungen für die jeweiligen Gruppen passen. Auch hier beobachten die Fachkräfte genau und sind bereit, Wege zu verändern, wenn die Bedürfnisse der Gruppe sich ändern. Vorteile für ein gemeinsames Frühstück können sein: Viele jüngere, neue Kinder, die vorsichtig an das System „Frühstück in der Kita“ herangeführt werden müssen oder das starke Gemeinschaftsgefühl, das bei einer gemeinsamen Mahlzeit gestärkt wird oder das Beobachten und Kennenlernen der Dosen der Anderen Kinder und dadurch neue Lebensmittel entdecken.
In der dritten Gruppe mischen sich beide Varianten durch: Meist wird mit den Kindern im Vorfeld besprochen, wie die Frühstückssituation gestaltet werden soll. Oft klärt es sich hier schon im Morgenkreis oder man stimmt gemeinsam ganz demokratisch ab. An manchen Tagen wird also gemeinsam gefrühstückt. An anderen Tagen gibt es einen Frühstückstisch, der über den Vormittag hin geöffnet ist und an den sich hungrige Kinder zurückziehen können.
Grundsätzlich kann man also sagen, dass das Thema Frühstück in der Kita zwar auf den ersten Blick sehr unterschiedlich gelebt wird, aber wir uns bei einer Sache gänzlich einig sind: Kinder dürfen ihr Essen in einer angenehmen Atmosphäre genießen, Lebensmittel kennenlernen und auch hier wertvolle Sinneserfahrungen sammeln. Wie das Frühstück nun im Alltag aussieht, hängt dennoch sehr viel von den Gewohnheiten und Wünschen der Kinder ab und von dem, was die Gruppenstruktur vorgibt.
Noch ein Wort zum Umfang und der Gestaltung des Frühstückes: Grundsätzlich liegt es in den Händen der Eltern, was sie ihren Kindern in die Dosen geben. Wir empfehlen konzeptionell und aus zahngesundheitlichen Gründen ein ausgewogenes, gesundes und möglichst zuckerfreies Frühstück. Zum Einen wollen wir einen potentiellen Wettkampf zwischen den Kindern vermeiden und zum Anderen sehen wir, wie wertvoll eine vitaminreiche Ernährung ist. Grundsätzlich wisst Ihr Eltern aber am Besten, was Eure Kinder brauchen, um bestmöglich durch den Tag zu kommen und wir vertrauen darauf, dass auch Ihr als Eltern die kindgerechten Ernährungskonzepte kennt.
Da das gemeinsame Zähneputzen aktuell nicht zum festen Tagesablauf gehört, ist auch das natürlich ein Faktor, den es zu berücksichtigen gilt. Zwar haben die Kinder, die das wollen, Zahnputzzeug in der Kita gelagert, dennoch leiten wir sie dahingehend nicht täglich an. Unsere Patenzahnärztin kommt jedoch regelmäßig zu besuch, um das Zähneputzen zu üben und in Erinnerung zu rufen. Wir sehen es als freiwilliges Angebot, was durchaus immer wieder und gern genutzt wird.
Gemeinsames Aufräumen, Abschlusskreis, Anziehen (ca. 11.30 Uhr – 12.00 Uhr)
Erfahrungsgemäß erschöpft das Freispiel sehr und es tut den Kindern gut, wenn wir am späten Vormittag noch einmal in der Gruppe zusammenkommen. Wir lassen den Tag Revue passieren und räumen selbstverständlich alle gemeinsam auf. Ein kurzes Durchschnaufen gibt neue Kraft.
Am Freitag findet in dieser Zeit außerdem die „Friedensrunde“ statt: Jedes Kind darf einmal erzählen, was an diesem Tag oder in dieser Woche besonders war. Alle Gefühle, alle Erlebnisse finden hier einen Platz und alles darf gesagt werden. Das fördert zum Einen die Kommunikationsfähigkeiten und zum Anderen aber auch die Möglichkeit, Erlebtes zu reflektieren. Und weil man besser denken kann, wenn es einen kleinen Snack gibt, wird die Friedensrunde gern von kleinen Brezelchen oder Salzstangen begleitet.
Ebenso ein Bestandteil des Abschlusskreises können weitere Lieder (gerade zur Wiederholung zu bestimmten Zeiten oder vor Ereignissen) sein oder erneute kleine Gesprächsrunden.
Uns ist wichtig, die Kinder immer wieder in die Großgruppe zusammen zu holen. Gemeinsame Aktivitäten, Kreisspiele, Singen oder Lesen fördern auf grundlegende Weise das Gruppengefühl und das Verständnis füreinander.
Im Anschluss an die Abschlussrunde gehen die Gruppen geschlossen zur Garderobe und die Kinder ziehen sich möglichst selbstständig an. Natürlich werden sie hierbei begleitet und nach Bedarf unterstützt, aber auch hier wollen wir alle dazu ermutigen, viel selbst zu tun. Selbstständigkeit lässt Kinder wachsen – innerlich und äußerlich. Es geht nicht nur darum, sich selber die Schuhe anziehen zu können. Vielmehr geht es darum, ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen. Dinge zu versuchen, die man sich vorher noch nicht getraut hat. Auch mal scheitern oder erkennen: Der Schnürsenkel ist zu viel für mich. An dieser Stelle sind wir Fachkräfte da, begleiten das Kind, ermutigen es und geben Hilfestellung, sodass es sich trotz eventuellem Misserfolg beim nächsten Mal wieder traut. Irgendwann klappt es dann auch mit den Schnürsenkeln.
Spielen im Garten (ca. 12.00 Uhr – 13.00 Uhr)
Draußen sein (können) ist nicht nur ein zentraler Punkt für die Gesundheit, es sorgt auch dafür, dass das kindliche Gehirn nach vielen Stunden regenerieren kann. Das Draußensein ist für uns als Kita enorm wichtig und hat einen großen Stellenwert im Alltag. Auch hier muss man klar sagen: Die oben angegebenen Zeiten sind als Richtwert zu betrachten. Je nach Tagessituation oder dem Wetter sind wir grundsätzlich länger oder früher draußen.
Draußen sein ist essenziell wichtig für das Immunsystem – vorallem in den kalten Monaten, in denen zahlreiche Viren die Kindergesundheit beeinträchtigen. Aber auch langfristig profitieren Kinder von langen und wetterunabhängigen Aufenthalten an der frischen Luft.
Draußen kann die motorische Entwicklung in ganz besonderem Maße vorangetrieben werden. Während die Konzentration in den Räumen eher auf dem feinmotorischen Bereich liegt, wird die Grobmotorik draußen enorm gefordert: Rennen, Klettern, Balancieren: Koordinative und muskulär stärkende Bewegungsabläufe werden durch das Spiel ganz automatisch erlernt.
Nicht zu vergessen ist hier die mentale Gesundheit: Für Kinder, die den Vormittag in Räumen mit vielen anderen Kindern und Erwachsenen verbracht haben, bedeutet es „loslassen“. Kinder passen sich unbewusst an, es wird auf natürliche Weise viel Kooperation gefordert. Es müssen zahlreiche Regeln befolgt werden, die das Zusammensein in einer solchen großen Gruppe möglich machen. Grenzen können manchmal (leider) nicht eingehalten werden: All das sorgt dafür, dass der Krafttank der Kinder mittags leer ist. Sie haben all ihre Kraft dafür aufgewendet, zu beobachten, zu lernen, Teil der Gruppe zu sein, an Angeboten teilzunehmen, Freund zu sein. Sobald der angepasste kindliche Automatismus draußen abschalten kann und auch mithilfe der Spiel- und Klettermöglichkeiten reguliert wird, tanken Kinder neue Kraft.
Mittagessen (ca. 13.00 Uhr – 13.45 Uhr)
Nachdem die erste Abholzeit um 13.00 Uhr endet, gehen die Essenskinder in ihre Stammgruppen zum Mittagessen. Meist begleiten ein bis zwei Erwachsene die Gruppen, je nach Konstellation und Gruppengröße. Hier kommt es immer mal vor, dass – ähnlich wie im Frühdienst – jemand aus den anderen Gruppen aushilft. Grundsätzlich muss man aber sagen, dass die Kita diesbezüglich sehr offen arbeitet und die Kinder alle Fachkräfte schnell recht gut kennen.
Auch beim Mittagessen unterscheidet sich die Herangehensweise der unterschiedlichen Gruppen, ähnlich wie beim Frühstück.
Hier geht es jedoch um rein organisatorische Faktoren und Abläufe. Diese können in den unterschiedlichen Gruppen variieren, nicht zuletzt wegen unterschiedlichen Gruppenstrukturen und Bedürfnissen der Kinder.
Zusammengefasst kann man sagen, dass wir unser Mittagessen und dessen Struktur an den Kindern orientieren und dennoch als Kita eine gemeinsame Haltung darüber haben, wie wir die Zeit des Mittagessens in der Kita gestalten möchten. Klar ist, dass die Kinder frei entscheiden dürfen, was und wie viel sie essen. Es herrscht kein Zwang und kein Druck, sondern eine friedvolle und gesprächsfördernde Atmosphäre, in der die Kinder zur Ruhe kommen und gemeinsam ihre warme Mahlzeit genießen können.
Freispiel (ca. 13.45 Uhr – 15.00 Uhr)
Nach dem Mittagessen wird spontan entschieden, ob man noch einmal raus geht (meistens ist das der Fall), oder aufgrund des Wetters in den Räumlichkeiten der Kita bleibt. Erneut dürfen die Kinder also auf dem Außengelände toben.
Schon bald beginnt die nächste Abholphase (14.30 Uhr — 15.00 Uhr). Wir achten sehr darauf, dass die Kinder, die abgeholt werden, die Dinge, mit denen sie gespielt haben, schon einmal wegräumen. Es wäre ja unfair, wenn die letzten anwesenden Kinder alle Spielsachen allein wegräumen müssten.
Kurz vor Ende der Abholphase und nachdem die meisten Spielsachen bereits eingeräumt wurden, verlagert sich der Aufenthaltsort an den meisten Tagen auf den Hof. Dort sehen die Kinder ihre Eltern schnell und freuen sich auf ihren wohlverdienten Feierabend.
Spätdienst (15.00 – 16.00 Uhr)
Einige Kinder sind auch nach 15.00 Uhr noch in der Kita. Diese gehen kurz nach 15.00 Uhr erneut nach drinnen und dürfen eine Kleinigkeit „snacken“. Im Anschluss an den Snack darf bis zum Abholen gespielt werden. Der Vorteil der Spätdienstkinder: Sie sind nachmittags in einer deutlich kleineren Gruppe, was bedeutet, dass eine ganz andere Intensität der Betreuung geboten werden kann. Tolle 1:1 Momente entstehen, wertvolle Gespräche oder auch einfach mal allein auf dem Schoß auftanken mithilfe eines tollen Buches.
Schlusswort
Der Tagesablauf in einer Kita generell und in unserer im Besonderen ist so vielseitig wie die Kinder: Für uns Fachkräfte ist die Vielfalt der Möglichkeiten ein großes Glück. Wir arbeiten im Team sehr reflektiert und setzen die Kinder stets in den Fokus unserer Beobachtungen. So kann es durchaus vorkommen, dass sich der Tagesablauf verschiebt oder einzelne Punkte verändert werden.
Wir befinden uns regelmäßig in besonderen Situationen, die eine solche Flexibilität voraussetzen, z.B. Eingewöhnungen, Elterngespräche, Personalausfall. Gerade in solchen Situationen kommt es uns zugute, dass wir uns sehr gut austauschen und im Groß – und Kleinteam häufig im Gespräch sind.
Wir wollen auch die Kinder nicht in starre Linien schieben und auch ihnen ein gewisses Maß an Flexibilität zutrauen – bisher haben wir damit durchaus gute Erfahrungen gemacht.